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Freitag, 11. Mai 2012

The Boys from Guerrero City









The Boys from Guerrero City
(Asalto al cine)
mit Gabino Rodriguez, Juan Pablo de Santiago, Angel Sosa, Paulina Avalos, Dolores Heredia, Susana Salazar, Maria Galia, Gabriela Reynoso, Juan Manuel Bernal, Roberto de Loera, Carlos Valencia, Javier Olivan
Regie: Iria Gomez Concheiro
Drehbuch: Iria Gomez Concheiro / Juan Pablo Gomez
Kamera: Alberto Anaya
Musik: Keine Information
FSK 16
Mexiko / 2011

Negus, Chale, Sapo und Chata sind seit ihrer Kindheit Freunde und leben im gefährlichsten Viertel von Guerrero, Mexiko. Ihr Lebenssinn besteht aus Abhängen, Kiffen und Herumtreiben in Skate Parks, sie lieben Graffiti und Hip Hop Sessions. Ohne Geld und mit einer unsicheren Zukunft kommen sie auf die durchgeknallte Idee, das lokale Kino auszurauben, um damit all ihre Probleme zu lösen. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn mit der erhofften Beute, die jeder für sich verplant, ist ihre Freundschaft in Gefahr - das einzige, was sie noch zu verlieren haben.


Abseits jeglicher Hollywood-Klischees präsentiert Iria Gomez Concheiro mit seinem bemerkenswerten Regie-Erstling ein Bild von Tristesse-und Hoffnungslosigkeit, das durch eindrucksvolle Bilder untermauert wird. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen dabei 4 junge Leute, deren Leben scheinbar keinerlei Zukunftsperspektiven zu bieten hat. Ihr Alltag besteht lediglich aus Kiffen und Abhängen im gefährlichsten Viertel der mexikanischen Stadt Guerrero, dessen optisches Bild von Armut geprägt ist. Der Film beinhaltet keinerlei großartige Action, im Prinzip passiert eigentlich während der gesamten Laufzeit nicht besonders viel. Das mag sich jetzt für manch einen im ersten Moment etwas langweilig anhören, doch gerade aus diesem Aspekt bezieht die Geschichte ihre Intensität und Stärke. Wird einem doch durch die größtenteils vorhandene Ereignislosigkeit das trostlose Leben der Jugendlichen besonders intensiv vor Augen geführt und gleichzeitig eine herausragende Charakter-Beleuchtung der Hauptfiguren präsentiert. Concheiro hat sich genügend Zeit genommen, dem Zuschauer die wichtigen Personen der Story sehr gut näher zu bringen, der Zuschauer kann schon innerhalb kürzester Zeit einen starken Bezug zu den Figuren herstellen, die auch durchaus Symphatiepunkte für sich gewinnen können.

"The Boys from Guerrero City" ist ein wirklich beeindruckendes Drama, das gleichzeitig eine eindringliche Millieu-Studie darstellt. Durch den trostlosen Alltag der Jugendlichen macht sich schon nach wenigen Minuten eine äußerst schwermütige Grundstimmung breit, die sich wie eine zentnerschwere Last auf die Schultern des Zuschauers legt. Dieses Gefühl kann man die gesamte Laufzeit über nicht ablegen und taucht immer tiefer in den sogartigen Strudel aus Tristesse und Hoffnungslosigkeit ein, der vom Geschehen ausgeht. Man möchte keinesfalls mit den Teenagern tauschen, denen sich keinerlei Perspektive für ein besseres Leben bietet. Dementsprechend offenbart sich natürlich auch deren Einstellung zum Alltag, denn Dinge wie Schule oder Ausbildung im Allgemeinen spielen hier keinerlei Rolle. Die Darsteller tragen hier einen großen Teil zu einem erstklassigen Gesamteindruck bei, ist das Schauspiel doch in jeder Phase extrem authentisch, was den realistischen Eindruck der Geschehnisse ganz besonders untermalt.

Ein wenig Action hält dann aber doch noch Einzug in die Geschichte, als die Freunde das örtliche Kino überfallen, um sich mit dem erbeuteten Geld persönliche Wünsche zu erfüllen. Wenn man sieht wofür sie das Geld ausgeben kommt ein kindlich naiver Aspekt zum Vorschein, handelt es sich doch lediglich um Dinge, die für uns selbst absolut selbstverständlich erscheinen, in dieser Geschichte aber etwas ganz Besonderes darstellen. Durch den Überfall wird jedoch auch das Verhältnis der Kids untereinander auf eine harte Probe gestellt, die tiefe Freundschaft scheint sogar zu zerbrechen. Jeder reagiert anders auf die Ereignisse, was für etliche Spannungen untereinander sorgt. Ganz generell sollte man an dieser Stelle erwähnen, das die Charaktere der einzelnen Figuren nahezu perfekt herausgearbeitet wurden, das emotionale-und ausdrucksstarke Schauspiel der Akteure ist dabei ein prägendes Highlight eines Filmes, der phasenweise auch stark unter die Haut geht. Unverbrauchte und sehr talentierte Jungdarsteller liefern durch die Bank Leistungen ab, die man ehrlich gesagt nur als grandios bezeichnen kann. Das bezieht sich aber im Grunde genommen auf das gesamte Szenario, denn sämtliche Zutaten wurden hervorragend zusammengefügt, so das sie letztendlich ein überragendes Gesamtbild entstehen lassen, das nachhaltig beeindruckt.

Iria Gomez Concheiro beweist mit diesem Regie-Debüt sein Gespür fürs Detail und hat die für ein solches Drama wichtigen Punkte brillant hervorgehoben. Hier hält man sich nicht einen Moment mit Nebensächlichkeiten auf, der Focus des Geschehens ist ganzzeitig auf die relevanten Dinge gerichtet. Nur so konnte sich der mehr als realistische Eindruck entwickeln, den die Geschichte beim Zuschauer hinterlässt. Imposante Bilder, starke Charaktere und authentische Kulissen sind dabei die wichtigsten Bestandteile eines Dramas, über das man auch noch lange nach der Sichtung des Filmes nachdenkt.


Fazit:


Es ist immer wieder faszinierend, zu welch imposanten Regie-Erstlingen manch ein Regisseur in der Lage ist. Schon dort trennt sich nur allzu oft die Spreu vom Weizen und man kann sehr gut erkennen, ob Talent vorhanden ist. Von Concheiro wird man hoffentlich auch in der Zukunft noch eine Menge hören und sehen, denn "The Boys from Guerrero City" dürfte lediglich der Startschuss für eine tolle Regie-Karriere sein.


Die DVD:

Vertrieb: Ascot Elite
Sprache / Ton: Deutsch / Spanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bild: 1,78:1 (16:9)
Laufzeit: 108 Minuten
Extras: Trailershow


8/10

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