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Sonntag, 13. Mai 2012

Ein Toter spielt Klavier









Ein Toter spielt Klavier
(Taste of Fear)
mit Susan Strasberg, Ronald Lewis, Ann Todd, Christopher Lee, John Serret, Leonard Sachs, Anne Blake, Fred Johnson
Regie: Seth Holt
Drehbuch: Jimmy Sangster
Kamera: Douglas Slocombe
Musik: Clifton Parker
FSK 16
Großbritannien / 1961

Um sich Zugang zur Villa der Applebys zu verschaffen und herauszufinden, was mit Mr. Appleby passiert ist, gibt sich eine alte Freundin als die gelähmte Penny Appleby aus. Obwohl man ihr sagt, dass der Hausherr sich auf einer Geschäftsreise befindet, sieht sie ihn zu ihrem Schrecken tot in mehreren Räumen das Hauses. Während Applebys Frau Jane ihr einreden will, dass sie unter Halluzinationen leidet, behauptet der Chauffeur, dem Penny sich anvertraut, dass Jane sie in den Wahnsinn treiben will. Sie ahnt nicht, dass die Ehefrau und der Chauffeur einen perfiden Plan verfolgen und, nachdem sie Appleby bereits aus dem Weg geräumt haben, nun auch dessen Tochter ermorden wollen...


Wenn man von den Filmen aus den legendären britischen Hammer-Studios spricht, denkt man dabei fast zwangsläufig an die Frankenstein-und Dracula-Verfilmungen, die in den 60er-und 70er Jahren entstanden sind. Dabei haben die berühmten Studios durchaus auch andere Genre-Perlen produziert, die leider viel zu oft nicht die Beachtung finden, die sie eigentlich verdient hätten. "Ein Toter spielt Klavier" zählt ganz eindeutig zu diesen Werken, bietet der 1961 erschienene Film doch eine herrlich atmosphärische Gruselgeschichte, in der anscheinend übernatürliche Dinge vor sich gehen. Zwar wird schon durch die Inhaltsangabe ziemlich klar, das die Geschehnisse alle irdischen Ursprungs sind, was den äußerst gelungenen Spannungsaufbau der Geschichte aber überhaupt nicht beeinträchtigt. Schon der Hauptschauplatz der riesigen Villa in der Nähe von Nizza überzieht den Zuschauer größtenteils mit wohligen Schauern, was durch die s/w Optik des Filmes noch zusätzlich hervorgehoben wird.

Nun erscheinen zwar einige Ereignisse des Story-Plots ein wenig zufällig und nicht ganz logisch nachvollziehbar, doch diese eher unwesentlichen Drehbuchschwächen können den insgesamt äußerst guten Gesamteindruck nicht sonderlich schmälern. Viel zu sehr zieht einen das unheimlich anmutende Szenario in seinen Bann und eine herausragende Hauptdarstellerin (Susan Strasberg) ist nicht nur ein optisches Highlight, sie überzeugt zudem mit einer absolut brillanten Performance und drückt der Geschichte so ganz unweigerlich ihren ganz persönlichen Stempel auf. Was mich persönlich am meisten überrascht hat ist die Tatsache, das hier weit und breit nichts von dem theatralischen Schauspiel zu sehen ist, das viele Werke dieser Zeit beinhalten. Man bekommt keinerlei übertriebene Mimik-oder Gestik zu sehen, die gesamte Darsteller-Riege agiert eher sehr realistisch und glaubhaft.

Als größtes Plus des Szenarios ist sicherlich die extrem dichte-und bedrohliche Atmosphäre auszumachen, die den Zuschauer über die gesamte Laufzeit hin begleitet. Obwohl es sich um keinen reinen Horrorfilm handelt, entsteht durch diesen Gesichtspunkt diese einzigartige Grusel-Atmosphäre, die ganz besonders in diesen alten Klassikern zum Tragen kommt. Hinzu kommen die eingebauten Wendungen des Plots, die sich insbesondere in den Schlussminuten zu erkennen geben und einer sehr spannenden Geschichte ein würdiges Ende bereiten. In einer Nebenrolle ist mit Christopher Lee auch einer der Stars der damaligen Hammer-Produktionen zu sehen, doch in dieser Produktion läuft ihm die grandios aufspielende Susan Strasberg ganz eindeutig den Rang ab, da ihr Schauspiel ganz einfach nur als grandios zu bezeichnen ist.

Auch wenn der deutsche Filmtitel es vermuten lässt, spielt hier natürlich nicht wirklich ein Toter Klavier. Dennoch ist der Titel auch irgenwie Programm, die Zusammenhänge dafür ergeben sich im Laufe des Geschehens und deuten durchaus an, das die Titelwahl nicht gerade die Schlechteste war. Wer die alten Klassiker zu schätzen weiß kommt an diesem Film nicht vorbei, der wirklich sämtliche Zutaten beinhaltet, die man für ein spannendes-und atmosphärisches Filmerlebnis benötigt. Tolle Kulissen, brillante Darsteller und ein äußerst unheimliches Ambiente verleihen der Geschichte einen hohen Wiedererkennungswert und sorgen für erstklassige Unterhaltung, die man sich immer wieder gut anschauen kann.


Fazit:


"Ein Toter spielt Klavier" zählt vielleicht nicht unbedingt zu den bekanntesten Produktionen der berühmten Hammer-Studios, ist aber definitiv ein Film den man kennen sollte. Subtil aufkommender Horror kriecht dem Betrachter dabei wie schleichend unter die Haut und strahlt dabei eine unglaubliche Faszination aus, der man sich keinesfalls verweigern kann.


8/10

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