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Mittwoch, 7. November 2012

Deep Red









Rosso - Die Farbe des Todes
(Profondo Rosso)
mit David Hemmings, Daria Nicolodi, Gabriele Lavia, Macha Méril, Eros Pagni, Giuliana Calandra, Piero Mazzinghi, Glauco Mauri, Clara Calamai, Aldo Bonamano, Liana Del Balzo, Vittorio Fanfoni
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Bernardino Zappodi
Kamera: Luigi Kuveiller
Musik: Goblin / Giorgio Gaslini
Ungeprüft
Italien / 1975

Ein seltsam leerer Platz, ein einsam beleuchtetes Diner mit bewegungslosen Gästen, davor zwei Menschen auf ihrem nächtlichen Streifzug. Urplötzlich beobachtet Marc, einer dieser Nachtgestalten, einen entsetzlichen Mord an einem Fenster. Er eilt zum Tatort, durch einen Gang voller alptraumhafter Gemälde. Der Täter scheint bereits verschwunden, doch irgendetwas glaubt Marc am Tatort gesehen zu haben, das den entscheidenden Hinweis liefern könnte. Was ist es, das er und der Zuschauer in jener Nacht gesehen haben? Ein plötzlich verschwundenes Gemälde? Eine Reflektion im Spiegel? Vielleicht sogar der Mörder selbst? Marc und der Zuschauer machen sich auf die Suche nach dem Geheimnis dieser Nacht, nach einem lang zurückliegenden furchtbaren Ereignis - und auch nach der eigenen Erinnerung.


Nachdem Dario Argento gleich mit seinen ersten 3 Regie-Arbeiten das Sub-Genre des Giallo bereichert hat und damit gleichzeitig seine sogenannte Tier-Rrilogie schuf, entstand 1975 mit "Profondo Rosso" einer der besten Giallo's überhaupt, der auch bis in die heutige Zeit die meisten Fans regelrecht in Verzückung versetzt. Dabei gibt es nicht wenige Menschen, die hier eine teilweise nicht ganz logische-und fragwürdige Geschichte erkennen und in einigen Punkten mag das wohl auch durchaus der Fall sein. Nichtsdestotrotz ändert das überhaupt nichts an der vorhandenen Klasse eines Filmes, der in seiner Gesamtheit immer wieder aufs Neue fasziniert und dem Zuschauer ein extrem interessantes Szenario bietet, das insbesondere durch die unglaubliche Bildgewalt überzeugt, die hier durchgehend sehr stark zur Geltung kommt. Einmal mehr ist es Argento's Spiel mit den Farben, das einen fast unweigerlich in den Bann zieht und stellenweise schon eine fast hypnotische Wirkung hinterlässt. Erstklassige Kamerafahrten tun dabei ihr Übriges, um den Betrachter immer tiefer in das größtenteils mysteriöse Geschehen hineinzuziehen, so das man sich letztendlich in einem sogartigen Strudel wiederfindet, aus dem es beim besten Willen kein Entkommen gibt. Auch wenn die Geschichte einige vielleicht nicht ganz sinnvolle Momente beinhaltet, offenbart sie insgesamt gesehen absolut hochklassige Filmkost aus Italien, denn die Abläufe der Ereignisse bieten einem ein wunderbares Puzzle, das man mit zunehmender Laufzeit immer weiter zusammensetzen kann.

Tief ineinander verschachtelt werden dem Zuschauer immer kleine Häppchen hingeworfen, die erst kurz vor dem Ende einen Überblick über die Gesamtzusammenhänge offenbaren, wodurch sich der dramaturgisch erstklassig aufgebaute Spannungsbogen bis zur letzten Minute aufrecht erhalten kann, ohne dabei irgendwelche Einbrüche erkennen zu lassen. Selbst einige auf den ersten Blick scheinbar belanglose Einstellungen wirken wie einzigartige Mosaiksteinchen, die ein absolut herausragendes Ganzes erkennen lassen. Lediglich der von Argento an einigen Stellen eingebaute Humor mag auf den ein oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, doch selbst dieser Aspekt ist meiner Meinung nach eine absolut perfekte Ergänzung einer Story, die einen von der ersten bis zur wirklich letzten Minute vollkommen fesselt. Untermalt wird alles von einem grandiosen Score, für den einmal mehr die Band Goblin verantwortlich zeichnet, deren Musik einfach absolut unverwechselbar erscheint. Dabei ist insbesondere die immer stärker anschwellende Musik in den Spannungs-Passagen ganz besonders hervorzuheben, unterstützt sie doch zusätzlich die von Haus aus schon grandios dichte Atmosphäre der Geschehnisse und löst auch beim Betrachter ein äußerst intensives Gefühl aus, da man förmlich auf die Entladung der dadurch aufgebauten Spannung hinfiebert. Argento zögert diese Momente sehr gekonnt hinaus und versetzt einen damit phasenweise in einen Zustand, das man es kaum noch aushalten kann, die dabei entstehende Intensität kann man nicht wirklich in Worte fassen, man muss sie einfach selbst erleben.

In schauspielerischer Hinsicht hat "Profondo Rosso" auch eine ganze Menge zu bieten, denn mit David Hemmings (Blow Up) und Daria Nicolodi (Shock, Phenomena) hat man vor allem die beiden Hauptrollen nahezu perfekt besetzt. Die teilweise stattfindenden Neckereien der beiden untereinander lockern das Szenario streckenweise ein wenig auf und sorgen dafür, das man wenigstens für einige kleinere Momente einmal durchatmen kann, bis man sich gleich darauf wieder auf die geheimnisumwitterten Abläufe konzentriert, die einen ganzzeitig mit einer Art Bannstrahl an sich binden. Zu der vorhandenen Faszination der kräftigen Bildsprache des Filmes tragen sicherlich auch die wunderbaren Schauplätze bei, ich möchte hier nur an die Einstellung erinnern, in der sich Carlo und Marc in einem meterweiten Abstand voneinander auf einem großen Platz darüber unterhalten, welche Beobachtungen Marc in der Wohnung der Ermordeten gemacht hat und sich nun nicht mehr erinnern kann. Das Aufziehen der Kamera und die damit verbundene Großeinstellung der Location hinterlässt einen gigantischen Eindruck und verbleibt nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters. Solche Momente gibt es wirklich in großer Anzahl und diese sind in meinen Augen zu den absoluten Höhepunkten dieses Werkes zu zählen.

Insgesamt gesehen handelt es sich hier wohl um eine der mit Abstand besten Arbeiten von Dario Argento, der mit "Profondo Rosso" einen zeitlosen Klassiker geschaffen hat, der im Laufe der Jahre rein gar nichts von seinem einzigartigen Reiz eingebüßt hat. Ganz egal wie oft man sich diese Geschichte auch anschaut, sie schafft es immer wieder spielend, einen von der ersten Einstellung an in ihren hypnotischen Bann zu ziehen. Nicht umsonst wird dieser Film von etlichen Fans regelrecht verehrt und besitzt vollkommen zu recht den Status, zu den allerbesten Vertretern seiner Art zu zählen. Zu den etlichen bisher erschienenen Veröffentlichungen hat sich vor Kurzem auch eine Version von Ascot Elite gesellt, die zwar leicht gekürzt, aber dennoch durchaus zu empfehlen ist. Erstens handelt es sich um eine Kürzung von gerade einmal knapp 15 Sekunden, zum anderen sind die Schnitte gut gesetzt und für Neueinsteiger nicht zu erkennen. Gerade für diese erscheint diese DVD empfehlenswert, denn wenn man einmal für kleines Geld in das Genre hineinschauen möchte, ergibt sich hier die Möglichkeit dazu. Echte Sammler werden selbstverständlich nicht darauf anspringen, müssen aber auch einen höheren Preis für ein paar Sekunden mehr bezahlen.


Fazit:


Rein filmisch handelt es sich hier um eine echte Granate, auch wenn die Geschichte vom Logischen her eventuell diverse Fragen nicht beantwortet. Ich persönlich kann locker darüber hinwegsehen und mich jedesmal wieder an einem farbenprächtigen Giallo ergötzen, den jeder Fan in der Sammlung haben sollte. Argento zieht hier wirklich alle Register und präsentiert eine Gesamt - Komposition, vor der man sich nur ehrfurchtsvoll verneigen kann.


9,5/10

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