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Montag, 19. Juni 2017

Die 120 Tage von Sodom







Die 120 Tage von Sodom
(Salo o le 120 giornate di Sodoma)
mit Paolo Bonacelli, Giorgio Cataldi, Umberto Paolo Quintavalle, Aldo Valletti, Caterina Boratto, Elsa Di Giorgi, Helene Surgere, Sonia Saviange, Sergio Fascetti, Bruno Musso, Antonio Orlando, Claudio Cicchetti, Franco Merli, Umberto Chessari, Lamberto Book
Regie: Pier Paolo Pasolini
Drehbuch: Pier Paolo Pasolini / Sergio Citti
Kamera: Tonino Delli Colli
Musik: Ennio Morricone
SPIO/JK
Frankreich / Italien / 1975

Kurz vor dem Ende der Mussolini-Herrschaft inszeniert eine Gruppe faschistischer und sadistischer Großbürger ein grausames Ritual: Sie nehmen junge Männer und Frauen gefangen und missbrauchen sie als Lust-und Folterobjekte. Die bizarren Perversionen und Demütigungen enden in einer todbringenden Orgie.


Selbst nach mittlerweile 34 Jahren, nachdem dieses Werk erschienen ist, zählt Pier Paolo Pasolinis Film "Salo" noch immer zu den umstrittensten Werken der Filmgeschichte und spaltet die Meinungen extrem. Für viele Menschen ist dieser Film einfach nur perverser Schund, andere sehen in ihm ein wahres Meisterwerk. Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo in der Mitte, denn "Salo" ist ein wahrhaft kontroverses Filmereignis und ist ganz sicher nicht mit normalen Maßstäben zu messen.Die hier erzählte Geschichte basiert auf dem Buch " Die 120 Tage von Sodom" des Marquis de Sade und ist eine Ansammlung von Abartigkeiten und Perversitäten, wie man sie wohl in der hier dargestellten Art kein zweites Mal zu sehen bekommt. Dieses filmische Werk in Kategorien wie gut oder schlecht einzuordnen, ist eigentlich so gut wie unmöglich, hier entscheidet wirklich allein der persönliche Geschmack. Dabei bin ich persönlich der Meinung, das man diesen Film auf jeden Fall einmal gesehen haben sollte, allein schon um einen tiefen Einblick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele erlangen, der sich einem hier schonungslos offenbart. Begriffe wie Abartigkeit, Demütigung und Perversion erreichen hier neue Dimensionen, die man in dieser Art wohl noch nicht gesehen hat.

Es sind sehr zwiespältige Gefühle, mit denen man hier konfrontiert wird, denn auf der einen Seite geht eine nicht zu beschreibende Faszination vom hier dargestellten Geschehen aus, andererseits verspürt man Ekel, Ablehnung und vor allem auch Ungläubigkeit, denn es ist nicht leicht, sich vorzustellen, das Menschen so grausam sein können, wie es einem hier offeriert wird. Gerade diese Grausamkeit, die von den 4 Faschisten ausgeht, die hier ihre Machtposition gegenüber den jungen Menschen genussvoll ausleben, wird mit einer Authenzität und Glaubwürdigkeit dargestellt, die wirklich ihresgleichen sucht. Man merkt den Peinigern ihre Freude über die Qualen ihrer Opfer in jeder Passage an, der Sadismus sprüht richtiggehend aus ihren Augen und sie laben sich an den Schmerzen ihrer Opfer, die sich zu keiner Zeit gegen die "Herrscher" auflehnen können, da sie von miit Maschinengewehren bewaffneten Männern überwacht werden. Und durch diese Hoffnungslosigkeit, in der sich die jungen Leute befinden, entsteht ein sehr intensives Gefühl der Beklemmung, das sich unwillkürlich auch auf den Zuschauer überträgt und dessen man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Man fühlt sich selbst vollkommen hilflos und wie gelähmt, kann aber dennoch lediglich ansatzweise nachvollziehen, welche seelischen und körperlichen Qualen die Protagonisten wohl durchleben müssen.

So müssen sie notgedrungen die gesamte Palette der Abartigkeiten über sich ergehen lassen, die ihren Peinigern doch so viel Freude und Befriedigung bereitet, sie werden mit perversen Geschichten konfrontiert, die von einigen betagten Damen erzählt werden und in denen sie aus dem anscheinend unerschöpflichen Erfahrungsschatz eines aus Abartigkeiten bestehenden Lebens erzählen. Zumeist werden diese Geschichten dann umgehend in die Praxis umgesetzt, wobei die Passage, in der Exkremente verzehrt werden, sicherlich ein absoluter und perverser Höhepunkt des Filmes ist. Doch ist dies nur ein Beispiel aus einer Fülle von Dingen, die man eigentlich nicht richtig beschreiben kann, man muß diesen Film wirklich selbst gesehen haben, um auch die intensive Wirkung zu verspüren, die von ihm ausgeht. Denn im Prinzip ist man hier so angewiedert, das man jeden Moment die Stoptaste des DVD-Players drücken möchte, um sich das Geschehen zu ersparen, doch irgendwie ist man auch auf eine seltsame Art und Weise von der Geschichte fasziniert und möchte wissen, wie das alles endet.

"Die 120 Tage von Sodom" ist ganz sicher kein Film wie jeder andere, es ist vielmehr ein Sammelsurium der schlimmsten Dinge, die man einem anderen Menschen antun kann, um seine eigene Befriedigung zu erlangen und dabei andere aufs Tiefste zu demütigen. Im Endeffekt geht es lediglich darum, seine mit Waffengewalt erlangte Machtposition hemmungslos und ohne Rücksicht auf Verluste auszuüben. Das dabei die eigenen sadistischen und perversen Neigungen gegen den Willen des Gegenüber schonungslos ausgelebt werden können, erhöht dabei den Lustgewinn ins Unermessliche. Und dieses Machtspiel wird hier einfach absolut grandios dargestellt, das sollte man einfach anerkennen. Egal, wie man zu diesem schockierenden und verstörenden Film stehen mag, er wird wohl auch in Zukunft die Meinungen spalten und immer sehr umstritten bleiebn. Allein schon durch diese Tatsache hat er sich seinen festen Platz in der Filmgeschichte gesichert.


Fazit:


"Salo - Die 120 Tage von Sodom" ist auf jeden Fall ein extrem aussergewöhnliches und sehr intensives Filmerlebnis, das man auf jeden fall gesehen haben sollte, um die zwiespältigen gefühle am eigenen Leib zu erleben, die dieser Film in einem auslöst. Denn hier entsteht eine seltsame Mischung aus Ekel, Ablehnung und Faszination, die man kaum in Worte fassen kann. Es ist ein Film, der einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt und keinesfalls spurlos an einem vorbeigeht.

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